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Wir schicken 1000 Soldaten in den Krieg

Lange Zeit habe ich mich zurückgehalten. Ich wollte über die Flüchtlinge schreiben. Darüber, dass es einfach nicht geht, Menschen so zu behandeln. Dass unsere Politik nicht so weiter machen kann. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich mich dazu äußern will. Und eigentlich will ich es nicht. Weil es für mich selbstverständlich ist, dass man Menschen, die aus Angst vor Krieg geflohen sind, nicht wie Parasiten behandelt.

 

Ich habe auch lange darüber nachgedacht, ob ich mich zu den Vorfällen in Paris äußern soll. Aber ich wusste einfach nicht, was ich dazu schreiben soll. Dass es mir Leid tut? Es ist doch offentsichtlich, dass so etwas einem normalen Menschen Leid tut! Also habe ich all das gelassen. Es gibt jedoch ein Ereignis, welches mich so sehr erschüttert, dass ich nicht drumherum komme, darüber zu schreiben. Deutschland will sich nun am Krieg in Syrien beteiligen.

 

Nachdem ich diesen Satz geschrieben hatte, musste ich ein paar Minuten inne halten. Deutschland will sich tatsächlich am Krieg beteiligen. In Syrien. Das muss man erstmal verdauen. Nicht, weil es dort nicht schon genug Krieg gibt oder Deutschland sich noch nie an ungerechten und sinnlosen Kriegen beteiligt hätte. Aber weil es einfach so unfassbar sinnlos und ziellos ist, vor allem in Anbetracht der aktuellen Geschehnisse.
Es ist für mich einfach nicht nachvollziehbar. Wir, hier in Deutschland, erleben die Flucht der Menschen. Wir sehen verzweifelte Kinder und Frauen. Sie frieren in der Kälte der Hallen, die zu eng und überfüllt sind. Wir haben hier Fremdenfeindlichkeit. Wir haben hier Menschen, die weinen, weil sie nicht verstehen, wie Menschen so grauenvoll sein können.

 

Image by Monica Volpin from Pixabay
Image by Monica Volpin from Pixabay
Es ist schrecklich! Ich bin so unfassbar traurig, dass mir die Worte fehlen.
Heute, nachdem ich die Meldung gelesen hatte, konnte ich kaum an etwas anderes mehr denken. Ich konnte an nichts anderes mehr denken, als an all die Frauen, die ihre Männer verlieren werden. An all die Mütter, die ihre Söhne verlieren werden. An all die Kinder, die zu Halbwaisen werden würden.
Ich bin traurig, darüber dass Männer ihr Leben lassen werden. Dass sie Krieg führen, gegen andere Männer, die auch ihr Leben lassen werden. Ich bin traurig. Traurig, weil bombing for peace ein Paradoxon ist. Weil Krieg nicht mit Krieg gelöst werden kann, weil Feuer nicht durch Feuer erlischt. Ich bin unendlich traurig, traurig über Männer, die Drecksarbeit machen müssen, damit Tyrannen ihre fetten Hintern auf Ölkanistern platzieren können und in Ruhe ihre Goldbarren zählen können.

 

Ich trauere. Ich trauere um weitere 1200 Menschen und um weitere tausend Zivilisten.
Ich kann nicht aufhören, traurig zu sein, wenn ich an all die Menschen denke, die heute, morgen, übermorgen und nächste Woche, ihr Leben verlieren werden, während andere hier vor Sorge zittern und andere gemütlich ihren Kaffee trinken... Ich kann nicht aufhören, traurig zu sein, traurig über Zerstörung, Zerrüttung und Ungerechtigkeit. Menschen fliehen und hoffen, hier in Sicherheit leben zu können, hoffen, dass es in ihrem Land irgendwann mal wieder Frieden geben wird. Sie hoffen auf Licht, am Ende des Tunnels.

Und was tun wir dagegen? Wir schicken über 1000 Soldaten in den Krieg. Nach Syrien. Wo schon die erste Frage für mich unbeantwortet bleiben wird: Gegen wen sollen sie dort kämpfen? Gegen all die anderen, die dort angeblich für Frieden sorgen wollen? Oder gegen den IS, der eigentlich seinen Sitz im Irak hat und wo ihn dort der Westen schon nicht richtig bekämpfen konnte? Oder kämpfen da die Soldaten gegen die Regierung? Gegen das Volk?
Ich will doch bitte verstehen, was Sinn und Zweck dieser Entscheidung ist!
Was ist das Ziel, Menschen gegen andere Menschen in den Kampf zu schicken? Und noch viel wichtiger ist: Wer zum Teufel profitiert davon? Tausende von Menschen sitzen in der nächsten Zeit voller Sorge, zittern um ihre Kinder, ihre Partner, ihre Familie. Und für wen das alles? Für was?
Image by Gianfranco De Bei from Pixabay
Image by Gianfranco De Bei from Pixabay

Wann habn Krieg und Kampf jemals Frieden geracht? Wo konnten wir erfolgreich sein? Hat denn der Krieg nicht seit Jahren überall für Verwüstung und Zerstörung gesorgt? Soll ich den Irak erwähnen, der heute Terroristen beherbergt? Oder Afghanistan? Je mehr Krieg geführt wird, desto mehr Krieg wird es geben. Es ist ein Teufelskreis, unter dem nur das einfache Volk leidet.

Und wir alle sehen, was Krieg mit den Menschen macht.
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, so aufgewühlt bin ich! Wer hat uns eigentlich gefragt, ob wir überhaupt Krieg wollen? Wer hat uns gefragt, ob durch unsere Steuergelder Soldaten in ein Kriegsgebiet geschickt werden sollen? Wieso wird über unsere Köpfe hinweg entschieden, wofür unser Land steht? Wieso um alles in der Welt, darf ich nicht mitentscheiden, ob und wann und wo ein Militäreinsatz erfolgt?

Und eines verstehe ich noch weniger. Dass unsere Soldaten, ja, ich sage es bewusst, unsere deutschen Soldaten, unsere Väter und Onkel und Ehemänner und Söhne einen Krieg führen sollen, den sie nicht begonnen haben! Dass unsere Soldaten Marionetten sind, dass sie herhalten müssen, für wirtschaftliche Ziele anderer! Dass sie Patronenfutter für andere sein sollen!

 

Ich will nicht den Eindruck erwecken, als seien wir hier total unschuldig, an all dem was passiert ist! NEIN. Wir tragen ebenfalls eine große Mitschuld an allen Dingen, die dort täglich passieren! Aber verdammt nochmal, wir müssen es nicht schlimmer machen, als es sowieso schon ist!
Ich will mich nicht daran beteiligen. Ich will keinen Krieg in Syrien. Ich will keinen Militäreinsatz in Syrien.Und ich will ihn schon gar nicht in meinem Namen!

 

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