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Was ist eigentlich Hass?

"Hass ist unerfüllte Liebe.", sagte mein Lehrer früher immer. Damals habe ich es als Witz empfunden. Doch je älter ich wurde, desto mehr glaubte ich daran. Und heute bin ich fest davon überzeugt, dass er recht hat.

 

Menschen kommen nicht auf die Welt und hassen einander. Sie hassen, weil ihnen etwas genommen wurde. Weil ihre Liebe nicht erwidert wurde. Sei es durch Familie, Freunde oder der Partner. Sie hassen, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. 

Es ist für einen Menschen 7 mal schwieriger, eine negative Erfahrung zu vergessen, als eine positive. Das heißt, wir brauchen immer 7 mal mehr gute Erlebnisse, um das Schlechte zu verdrängen. Das liegt wahrscheinlich an unserem Urinstinkt. Denn wie Tiere haben wir in unserem Gehirn Areale, die für die Wahrnehmung von Gefahr zuständig sind. Wird etwas als böse oder schlecht gelernt  so bedarf es eine unheimliche Willenskraft und Stärke dieses Gelernte wieder zu relativieren.

 

Wir Menschen sind schwach und Hass ist das höchste Maß an Schwäche. Denn Hass ist leicht und kommt aus unserem tiefsten Inneren. Es ist gekennzeichnet von geringer Reflexion und hohem Egoismus. Wenn wir hassen, dann geben wir unseren niedersten Gefühlen nach, leben nach tierischem Instinkt und vergessen, dass wir als Menschen zu mehr befähigt sind. Dann hinterfragen wir unsere Gefühle nicht. Wir lassen uns von ihnen leiten und unser Handeln wird dadurch irrational. Das einzige Ziel ist die Befriedigung dieser Gefühle, die uns von innen zerfleischen.

Denn Hass ist wie ein schwarzes Loch, das größer wird, je mehr wir es nähren. Es verschlingt uns von innen und benebelt unsere Sinne. Es schneidet uns von der Wirklichkeit ab. Wir werden zu Opfern unserer Ängste und lassen uns treiben in einer dunklen Wolke. Die anderen sind schuld und wir finden keine Zufriedenheit mehr.

Weil wir hassen wollen. Weil Hass leicht ist.  

Hass ist eine Ausrede. Und Ausreden sind immer leicht. Sie nehmen uns die Verpflichtung, Verantwortung zu übernehmen.

 

Kein Gefühl ist leichter als Hass. Und keines richtet mehr Unheil an.

Vergessen wir nicht, dass wir zu mehr befähigt sind. Wir müssen nicht hassen. Wir können lieben.