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Zero waste leicht gemacht

Image by congerdesign from Pixabay
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Werbung: Alle hier genannten Personen und Unternehmen wurden ohne Auftrag erwähnt. 

Daniela ist 22 Jahre alt, studiert den Masterstudiengang Medizinische Biologie und in ihrer Freizeit geht sie zum Thaiboxen. Gemeinsam mit ihrem Freund und zwei Britisch Kurzhaarkatzen wohnt sie in Essen und versucht, mit Foodsharing und weniger Plastikmüll die Umwelt zu retten. Heute erzählt sie uns, wie sie zu zero/low waste kam und bei welchen Dingen sie Ausnahmen macht. Ein spannender Einblick im Leben einer Studentin und Weltretterin.

 

Daniela, wann hast du dich eigentlich das erste Mal aktiv mit dem Thema Plastik bzw. Plastikmüll beschäftigt?

Anfang 2017 entschied sich eine Freundin dazu, keinen Plastikmüll mehr zu produzieren. Da bin ich das erste Mal mit diesem Thema in Berührung gekommen. Für mich war ihre Entscheidung noch eher etwas erschreckend. Ich dachte „wow, das muss unglaublich teuer sein“. Das war dann auch der Grund, warum ich den Gedanken erstmal abgelegt habe. Ein paar Monate später habe ich aber dann ein Video gesehen, bei dem eine Frau in fünf Jahren nur ein 500ml Glas an Plastikmüll produziert hat. Da habe ich angefangen, mich mit unserem Müll auseinanderzusetzen. Wenn ich darüber nachdenke, wie viel Müll ich nur in einer Woche im Eimer hatte, kann ich das gar nicht mehr glauben. Meinen 60 Liter Sack hatte ich bestimmt jede Woche voll.

 

Hattest du denn früher schonmal Berührung mit Umweltschutz und Plastikmüll gehabt?

Wir hatten in der Schule ein Seminar über den Klimawandel und das hat mich damals auch schon sehr getroffen. Teilweise hatte ich auch Existenzängste, denn wahrscheinlich würden ich oder meine Kinder die Konsequenzen unseres Handelns tragen müssen.

Aber als ich versucht habe, mein Leben etwas umzustellen, haben meine Eltern abgeblockt. Es gab auch finanzielle Hürden, die durch die Geburt meiner Schwester hinzukamen. Letztendlich hat sich das Ganze aber verlaufen und ich habe mich nicht mehr damit beschäftigt. Ich dachte mir damals, die Erwachsenen und die Leute in der Verantwortung werden es schon besser wissen.

 

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Wie kamst du zur Entscheidung, zero/ low waste zu leben?

Mein Freund und ich haben uns darüber unterhalten, wie viel Plastikmüll produziert wird und uns gefragt, warum sich eigentlich nichts ändert. Ich weiß noch, dass die erste Veränderung sehr spontan kam. Als wir auf dem Weg zum Discounter waren, haben wir uns einfach umentschieden und sind stattdessen zum Biomarkt gegangen. Seitdem habe ich angefangen, immer mehr Bio einzukaufen und irgendwann dann auch weniger Plastikmüll.

 

Was ist besser, zero oder low waste?

Ehrlich gesagt mag ich diesen Ausdruck zero waste nicht. Der Begriff ist irreführend, denn ein bisschen Müll produziert man trotzdem immer. Natürlich ist zero waste ein Ziel und es wäre toll, wenn wir das irgendwann erreichen könnten. Aber ich finde, man muss auch realistisch bleiben. Ich glaube nicht, dass wir komplett auf Plastik verzichten können. Aber low waste ist möglich.

 

Hast du das Gefühl, viel verzichten zu müssen? Wenn ja, wie balancierst du das aus?

Eigentlich eher nicht. Ich versuche einfach Alternativen zu finden. Es gibt fast immer eine Möglichkeit, die Verpackungen zu umgehen.

 

Wo fällt dir Zero/low waste am schwersten?

Ich esse sehr gerne Joghurt. Obwohl ich versuche, weniger tierische Produkte zu konsumieren, stellt sich im Supermarkt immer die Frage: Vegan oder plastikfrei? Denn veganen Joghurt gibt es nicht im Glas. Aber für mich ist es zum Beispiel okay, Produkte zu kaufen, die kurz vor dem MHD sind. Bei Essen, das bald sowieso weggeschmissen wird, macht mir die Verpackung weniger etwas aus. Das schont nicht nur meinen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.

 

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Bei welchen Dingen machst du bewusst Ausnahmen und warum?

Ich glaube, jeder hat etwas, auf das er nicht verzichten kann. Bei meinem Freund und mir ist es Eiscreme. Manchmal kaufe ich mir nach einem anstrengenden Tag einen ganzen Liter in der Box und esse den auf der Couch, natürlich nicht alleine. Das Gute ist aber, dass ich die Plastikverpackung wiederverwenden kann.

 

Viele fühlen sich durch den Begriff zero waste extrem unter Druck gesetzt. Spürst du diesen Druck ebenfalls? Was machst du dagegen?

Man muss sich immer vor Augen führen, dass die Menschen auf Instagram auch etwas Müll produzieren. Manche zeigen das mehr und andere weniger. Aber ich finde, man sollte sich selbst nicht so stark unter Druck setzen. Nur weil man einmal ein Stück Tofu gekauft hat, der in Plastik verpackt ist, ist man kein schlechter Mensch.

Ich selbst versuche das gar nicht so perfektionistisch zu machen. Das ist nicht mein Ziel. Auch wenn ich es am Anfang schon möglichst gut machen wollte; ich will mich selbst nicht zu krass stressen. Man muss ja auch glücklich sein. Ich versuche es, so gut es geht und tatsächlich macht mich das glücklich. Und ich will zeigen, dass man schon mit ein wenig Planung sehr viel Plastik sparen kann. Diese Einstellung nimmt mir den Druck.

Edelstahlflasche, Coffee-to-go-Becher, Kaffeemühle, Vorratsgläser, Edelstahlstrohhalme, Baumwollbeutel, Spork und DIY Bienenwachstuch
Edelstahlflasche, Coffee-to-go-Becher, Kaffeemühle, Vorratsgläser, Edelstahlstrohhalme, Baumwollbeutel, Spork und DIY Bienenwachstuch

Welche Verpackungen sind akzeptabel und welche sollte man aus seinem Leben verbannen?

Etwas, was ich nie verstehen werde: Warum muss man Babyblattspinat in eine Plastikschale legen und diesen dann drei Mal mit Folie umwickeln? So etwas kann ich nicht nachvollziehen. Dann gehört dazu auch die typische Plastik-Gurke. Coffee-to-go Becher sind auch ganz schlimm und dann kommen noch die Strohhalme.

Verpackungen, die man als Kunde wiederverwenden kann, finde ich schon eher okay. Klar muss man im Kopf behalten, das Zeug hält ewig. Aber wenn man es nicht reduzieren kann, kann man es vielleicht wiederverwenden. Wie gesagt, wir kaufen unser Eis in den 1-Liter Packungen. Die benutze ich zum Beispiel für das Foodsharing weiter.

         Bild: von Grünstadt
Bild: von Grünstadt

 Beim Imbiss zwischendurch: Trägst du immer Besteck mit dir?

Für unterwegs habe ich immer dieses kleine Besteckteil dabei. Das ist Löffel und Gabel in einem und lässt sich leicht im Geldbeutel verstauen. So habe ich immer etwas mit.

 

 

Wie lebst du low waste aus, wenn es um Kosmetik geht?

Viele Hygieneartikel gibt es auch schon unverpackt. Es gibt beispielsweise Haarseifen oder feste Shampoos. Die sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch günstiger im Transport und in der Nutzung. Vor allem bei Reisen ist das sehr praktisch. Zum Duschen nehmen wir auch Seife. Wenn man die in ein Sisalsäckchen legt schäumt das schön und hat auch einen Peeling-Effekt. Das alles kann man in Unverpacktläden bekommen. Hier in Essen gibt es von Grünstadt, online gibt es den shop von sauberkunst.

Bei Schminke bin ich ehrlich gesagt noch nicht so gut aufgestellt. Da ich mich selbst sehr selten schminke, habe ich noch vieles, was ich aufbrauchen muss. Manche machen sich auch das Make-up selbst, aber sowas ist natürlich nicht jedermanns Sache.

 

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Du machst seit einiger Zeit Foodsharing. Was ist das?

Foodsharing ist ein Prinzip, bei dem man Essen, was man nicht braucht oder nicht essen will, mit anderen Menschen teilt. Damit hat die Bewegung angefangen. Mittlerweile schließen sich auch Restaurants an und geben Speisen ab, die sonst abends im Müll landen würden. Normalerweise sind die Lebensmittel auch nicht schlecht, sie dürfen zum Beispiel nur nicht am nächsten Tag wieder in den Verkauf gehen.

 

Kann jeder beim Foodsharing mitmachen?

Das wird zentral über einen Verein bzw. über eine Internetseite koordiniert. Wenn man daran teilnehmen möchte und das Essen abholen will, muss man sich dort anmelden. Foodsharing sollte auf gar keinen Fall ohne Registrierung und vorheriger Auseinandersetzung betrieben werden. Denn sonst kann es aufkommende Kooperationen schaden. Aber prinzipiell kann sich dort jeder anmelden. Momentan versuche ich auf Instagram das ganze System etwas zu erklären.

 

Welche Vorteile hat Foodsharing?

In erster Linie werden Lebensmittel gerettet, die sonst im Müll gelandet wären. Teilweise habe ich drei große Säcke voll mit belegten Brötchen, die ich dann an andere weiterverteile. Und es ist auch ein Kostenfaktor. Durch das Foodsharing sparen wir auch viel Geld bei Lebensmitteln und können das für bewusstes Einkaufen verwenden.

 

Wie gehst du da mit dem Verpackungsmüll um?

Mir ist wichtig, dass ich selbst kein Geld für Verpackungsmüll ausgebe. Einfach aufgrund der Angebot-Nachfrage-Regulierung des Marktes. Beim Foodsharing wäre sowohl die Nahrung als auch die Verpackung weggeworfen worden. Da ist mir das Essen wichtiger und ich nehme den Müll in Kauf.

Die Jugendlichen scheinen sich momentan stärker für ihre Umwelt zu interessieren. Denkst du, dass die Gesellschaft in einem Umbruch ist?

Ich glaube, dass die Bereitschaft bei vielen schon immer da war, aber es nie wirklich nach außen getragen wurde. Vielleicht irre ich mich, aber es ist gut möglich, dass viele Kinder und Jugendliche sich nicht getraut haben, etwas zu sagen. Jetzt beginnen sie, zu rebellieren. Die Bewegung Fridays for future finde ich sehr interessant. Wenn ich darüber nachdenke, dann berührt mich das sehr und ich kriege ein bisschen Pippi in den Augen.

 

Glaubst du, dass wir es irgendwann schaffen werden, komplett plastikfrei zu leben?

Ich hoffe, dass die Menschheit es irgendwann schafft, ohne diese Massen an Plastik zu leben. Plastik ist auch nicht grundsätzlich böse. In vielen Bereichen ist es auch sinnvoll, wie zum Beispiel in der Medizin oder in der Forschung. Damit haben wir Sterilität und Hygiene gewährleistet. Deswegen brauchen wir ein gutes zirkulares System, um das vorhandene Plastik wieder zu verwerten.

 

Was wird passieren, wenn sich die Müllproduktion nicht ändert?

Dann werden wir 2030 genauso viel Plastik wie Fische im Meer haben.

 

 

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Was kann jeder im alltäglichen Leben tun, um sein Plastikmüll zu reduzieren?

Es gibt viele Methoden, wie man ohne viel Veränderung Verpackungen reduzieren kann. Man sollte vorbereitet einkaufen gehen. Also sich Gedanken machen, was man wo und wie am besten unverpackt bekommt. Gemüse kann man lose kaufen oder man nimmt ein Gemüsenetz mit. Unser Wasser in Deutschland ist überall trinkbar. Viele Menschen denken, dass unser Pfandsystem das Problem der PET Flaschen löst. Aber davon werden nur 19% wiederverwendet. Der Rest wird entsorgt, verbrannt oder ins Ausland verschifft, wo es vielleicht im Meer landet. Das ganze Recyclingsystem ist ein Downcycling, das heißt das Material wird mit jeder Wiederverwertung schlechter. Wenn man seiner Umwelt noch mehr Gutes tun möchte, dann kann man auf dem Boden liegenden Müll aufsammeln. Damit gewährleistet man, dass dieser zumindest verbrannt wird und nicht irgendwo im Meer landet.

 

Welche 3 ultimativen Tipps könnte jeder schon jetzt und ohne großes Umplanen anwenden?

Besorge dir deinen eigenen To-go Becher, habe immer einen Jutebeutel zum Einkaufen dabei und verzichte beim nächsten Drink auf den Strohhalm.

"Wichtig ist, dass man sich nicht zu sehr unter Druck setzt, weil man sonst die Freude daran verliert. Und wenn man unglücklich mit zero waste/ low waste ist, dann macht das nicht viel Sinn. Wer keinen Spaß daran hat, der macht das auch nicht lange. Lieber langsam, aber dafür stetig."

Folge ihr auf Instagram für weitere Tipps zu low waste & Foodsharing @bluebirdela

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