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Wie die Modeindustrie unseren Planeten zerstört und warum second hand eine Lösung ist

Photo by Becca McHaffie on Unsplash
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In einer Zeit, in der es alle zwei Wochen eine neue Kollektion gibt, ist es schwierig geworden, sich dem Massenkonsum zu entziehen. Die Modeindustrie unterliegt dabei den gleichen Ansprüchen wie denen der Lebensmittel- und Elektronikindustrie. Es muss mehr, besser und ausgefallener sein. Der Markt wird übersättigt mit unzähligen Geschäften, die Kleidung in hundert verschiedenen Ausführungen anbieten. Kleider in allen Preisklassen, Farben, Mustern und Stoffen machen es den Menschen schwer, sich mit wenigen Outfits wohlzufühlen. Tatsächlich ist Kleidung längst nicht bloß zweckmäßig, sondern auch ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit geworden. Der Mensch definiert sich über seinen eigenen Stil und verwirklicht sich selbst mithilfe seiner Kleiderwahl. Daran ist auch prinzipiell nicht großartig etwas auszusetzen, denn jeder sollte sich individuell kleiden können. Problematisch wird es aber, wenn unsere Erde, Tiere und andere Menschen unserem Streben nach Entfaltung zum Opfer fallen. Und leider ist das heutzutage auch die Regel.

Denn Mode ist nicht von Dauer. Sie ist schnell und kurzlebig. Nicht umsonst wird in Bezug zur Nachhaltigkeit auch der Begriff „fast fashion“ verwendet. Tatsächlich werden Hosen, Shirts und Pullis nur für eine kurze Lebenszeit produziert. Sie ziehen schnell Fäden, verblassen, bilden Fusseln und sehen nach dem dritten Waschgang so aus, als wären sie bereits 20 Jahre alt. Aber das war nicht immer so. Früher war Kleidung etwas Besonderes. Man besaß zwei oder drei gute Hosen, einige Kleider für festliche Anlässe und die dicken Pullis für den Winter. Es gab ein Paar Sommer- und ein Paar Winterschuhe und den Menschen hat es gereicht. Hatte der Absatz oder die Sohle die beste Zeit hinter sich gelassen, wurde der Schuh zum Schuhmacher gebracht und repariert. Aber wer macht das heute noch so? Kleidung wird nicht mehr wiederhergerichtet. Auch wenn es keine erkennbaren Mangel gibt, landet das Shirt in der Mülltonne oder in der Altkleidersammlung. Hat es ein kleines Löchlein am Ärmel, wird es weggeworfen und schnell durch ein neues ersetzt. Manchmal möchte man seine Lieblingshose reparieren, doch das Flicken kostet mehr als eine Neuanschaffung. Oder das Material ist zu billig, als dass sich eine Reparatur lohnt. Mode ist nicht nur viel zu schnell, sondern auch viel zu billig geworden.

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Als Jugendliche mit kleinem Taschengeld habe ich mich sehr wohl über die billigen Angebote von Primark und Co. gefreut. Und selbstverständlich ist das für Kinder aus finanziell schwachen Familien eine gute Möglichkeit, den Anschluss in der Schule nicht zu verlieren. Aber die Lösung kann nicht darin liegen, immer mehr billige Kleidung zu produzieren und dem Endverbraucher die Wahl zu überlassen. Es muss sich etwas an unserer Konsumgesellschaft und dem System ändern. Denn die billige Kleidung, die ich als Jugendliche und vielleicht auch heute noch kaufe, ist nur für mich als Individuum billig. Die Erde, die Tiere und vor allem auch die Menschen, die sie genäht haben, haben einen sehr sehr hohen Preis dafür bezahlt. Aus diesem Grund darf man eigentlich nicht von billiger Mode sprechen. Denn tatsächlich wird hier auch nicht bedacht, dass das emotionale Leid nicht aufgewogen wird. Die Menschen, die unter schlimmen Bedingungen unsere 9,99€ Hosen nähen, beachten wir nicht. Und wir sind uns auch nicht bewusst, wie viel Arbeit und Leid in dieser Hose steckt, wenn wir sie wegschmeißen, weil sie verwaschen ist. Was wir auch nicht bedenken, sind die Materialien, die in dieser Hose stecken.

 

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In fast all unserer Kleidung wird ein großer Anteil an Polyester vearbeitet. Und wie die meisten bereits wissen, handelt es sich dabei um Plastik, das durch chemische Verfahren zu einer Faser gemacht wird. Das problematische an diesem Prozess ist, dass das Plastik in unserer Kleidung mit jedem Waschgang als Mikroplastik in die Umwelt und ins Gewässer freigesetzt wird. Dieses Mikroplastik wird dann von Tieren und Pflanzen aufgenommen und landet am Ende auch in unserem Körper. Wir machen uns sozusagen auch selbst krank. Aber das ist nicht alles. So genanntes Mischgewebe, also Stoff, der aus einem Prozentsatz Polyester und einem Prozentsatz Baumwolle besteht, kann nicht oder nur sehr schwer recyclet werden. Die Baumwolle ist mit dem Plastik zusammen verarbeitet und kann nur schwer getrennt werden. Das heißt, dass auch Rohstoffe unwiederbringlich verbraucht sind. Und das bloß, damit man sich eine Hose für 9,99€ kaufen kann, die man sowieso maximal ein Jahr trägt.

All diese Punkte bringen unweigerlich die Frage mit, ob das wirklich alles ist. Ist das wirklich das einzige, was Mode sein kann? Eine Masse an verschwendeter Ressourcen, die im Wandel der Zeit verfliegt? 

Das muss auch anders gehen. Und diesen Gedanken haben nicht nur Umweltschützer, sondern auch Modeliebhaber. Aus diesem Grund gibt es immer mehr Unternehmen, die fair produzierte und nachhaltige Mode anbieten. Neben ökologisch sinnvollen Alternativen, gibt es aber auch andere Methoden, dem Konsumwahn die Stirn bieten. Eines meiner Lieblingslösungen, ist das Kaufen von second hand Mode. Und das, weil sie viele Vorteile bietet. 5 davon stelle ich euch heute vor.

 

1. Alte Schätze entdecken

Durch Kleiderstangen stöbern und ein Designerkleid finden? Zufällig einen alten wollschal entdecken, der genau zum eigenen Mantel passt? Heutzutage sieht alles gleich aus und es ist schwer, etwas einzigartiges zu finden. Und das, ohne ein ganzes Vermögen dafür auszugeben. Beim Second Hand shopping findet man immer wieder Schätze, die einzigartig sind.

 

2. Ressourcen schonen

Second hand shopping ist nicht nur super, um seinen eigenen Stil zu finden, sondern auch um die Ressourcen zu schonen. Für jedes neu produzierte T-Shirt werden etwa 2495 Liter Wasser verbraucht. Zum Vergleich: Für einmal Baden braucht man ca. 180 Liter Wasser. Kauft man allerdings bereits produzierte Kleidung, werden keine Ressourcen benötigt.

 

3. Nachhaltiger Konsum

Nachhaltig bedeutet nicht nur, gut produzierte Kleidung zu kaufen, sondern auch bereits vorhandener Kleidung ein neues Leben zu schenken. Jede Frau kennt das Problem mit dem shoppen. Es werden Kleider gekauft, die nur einmal getragen werden. Sie sind zu gut, um sie wegzuschmeißen aber man findet keinen Anlass. Das geht vielen Frauen so. Deswegen landen auch viele gut erhaltene Kleidungsstücke im Second Hand Laden. Kauft man dort ein, spart man nicht nur Ressourcen, sondern gibt anderen ein längeres Leben

 

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4.  Geld sparen

Oft ist Mode teuer, auch wenn es selten so bezeichnet wird. Gute Qualität hat oft ihren Preis und diese findet man immer seltener. Vor allem, weil der Rest der Mode so viel billiger ist, erscheint uns der Preis für einen wollmantel viel zu hoch. Was man dabei allerdings vergisst, ist, dass ein guter Wollmantel gerne länger als zehn Jahre getragen werden kann. Dagegen hat der Primark Mantel keine Chance. Im Second Hand Laden findet man aber auch sehr gute Qualität für kleines Geld. So habe ich bereits zwei gut erhaltene und sehr schöne Wollmäntel für insgesamt weniger als 50€ gekauft.

 

 

5. Bewusstsein schaffen

Ein weiterer Vorteil ist das Schaffen eines Bewusstseins. Unsere Kleidung ist nicht wirklich billig, solange diee Ressourcen wie menschliche Arbeit Tierwohl und Materialien nicht in unsere Rechnung mit einfließen. Außerdem landen diese Kleidungsstücke viel zu oft und viel zu schnell in der Mülltonne. Das muss nicht sein. Um dem zu entgehen und trotzdem immer mal wieder eine schöne neue Jacke oder Hose zu haben, kann man gut im Second Hand Shop einkaufen gehen. Und mir ist es schon sehr oft passiert, dass mich andere Frauen danach fragen, woher ich meinen Cardigan habe, weil sie ihn so schön fanden. Darüber zu sprechen, dass ich ihns econd hand gekauft habe, schafft auch bei ihnen ein erhöhtes Bewusstsein und man kommt ins Gespräch.

 

Wie ist es bei euch? Habt ihr schonmal etwas gebraucht gekauft? Es gibt ja neben second hand shops auch Kleiderkreisel, ubup, secondlifefashion und viele andere Alternativen. Habt ihr schonmal eine davon ausprobiert?

 

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