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Das römische Reich, die Zuckerindustrie und der Klimawandel

Photo by Markus Spiske on Unsplash
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Divide et impera. Oder zu Deutsch „teile und herrsche“. Eine Maxime, an der sich bereits die Römer orientiert haben und damit ihr Imperium aufbauen und vergrößern konnten. Doch längst ist diese Art der „Kriegsführung“ nicht bloß ein Mittel, um Länder zu erobern oder Bürgerkriege zu stiften. Auch die Lebensmittelindustrie, Energiekonzerne und Milch- und Fleischlobby haben sich dieses Prinzip zunutze gemacht. Doch was haben lateinische Redewendungen und Umweltschutz gemeinsam?

 

Greta Thunberg. Kein anderes Mädchen hat dieses Jahr so stark polarisiert, wie sie. Der Präsident der vereinigten Staaten versucht sie verbal zu erniedrigen, Kabarettisten wie Dieter Nuhr mokieren sich über sie und Jugendliche lassen sich von ihr inspirieren. Ihre Mission: Das Klima schützen und die Umwelt retten. Die Wissenschaftler stehen hinter ihr. Schüler*innen, die sich zuvor nie für Klimaerwärmung interessiert haben, gehen freitags demonstrieren. Eine CO2 Steuer wird politisch diskutiert. Doch es gibt immer noch viele Menschen, unter ihnen zahlreiche AfD Politiker, Donald Trump und die CDU, die den menschengemachten Klimawandel leugnen. Aber wie kann das sein, wenn es so viele Studien gibt, die belegen, dass der Mensch die Umwelt zerstört?

Photo by Markus Spiske on Unsplash
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Spricht man mit Fridays for future (FFF)- oder Greta-Gegnern, kommen immer wieder ähnlich aufgebaute Argumente. Erst wird behauptet, dass Deutschland bloß 2% des CO2 Gases produziert und dass dieser Beitrag kaum einen Unterschied macht. Oder, dass Diesel nicht problematisch ist und E-Autos keine Lösung sind, weil sie im Stau auch leer gehen können. Doch ein Statement ist das Nonplusultra Totschlagargument. Es sei nicht eindeutig erwiesen, dass der Mensch für die Klimaerwärmung verantwortlich ist. Es gäbe auch viele Wissenschaftler, die CO2 nicht für ein klimazerstörendes Gas halten. Und deswegen handele es sich bei dem Aktivismus lediglich um einen Hype oder Personenkult. Ist das wirklich so?

 

Divide et impera, lautet die Antwort auf all diese Fragen. Ein uraltes Prinzip, Eindeutigkeit zu verhindern ist heute zur Wirtschafts- und Lebensmittelindustriestrategie geworden. Es ist bereits seit Jahrzehnten eine gängige Methode, einen gesellschaftlichen Konsens über eine bestehende Theorie zu verhindern. Unzwar, indem man immer wieder vermeintlich berechtigte Zweifel auslöst. Ein sehr gutes Beispiel liefert hier die Zuckerindustrie. Bereits vor Jahren gab es unzählige Studien, in denen nachgewiesen wurde, wie gefährlich raffinierter Zucker für den Körper sein kann. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass hoher Zuckerkonsum zu nichtalkoholischer Fettleber oder Diabetes führen kann. Und trotzdem wird Zucker heute noch immer in der Lebensmittelindustrie in Unmengen verwendet. Wie kann das sein? Die Erklärung liefert die zuvor erwähnte Strategie. Als bekannt wurde, wie gefährlich raffinierter Zucker eigentlich ist, gab eines der größten Zuckerkonzerne in den USA eine riesige PR-Kampagne in Auftrag. Diese sollte die Meinung in der Gesellschaft zu Zucker maßgeblich beeinflussen. Es wurden Artikel verfasst, die Zucker in ein positives Licht rücken sollten. Zum Beispiel erschienen Berichte darüber, weshalb die Menschen mit einer Vorliebe für Süßes geboren werden, oder dass Zucker ein guter und schneller Energielieferant ist.

Ein weiterer Aspekt, den sich die Zuckerindustrie zunutze gemacht hat, ist die Fokussierung auf den Konsum in Maßen. Das bedeutet, dass sie Ergebnisse von Studien nur teilweise berücksichtigt haben. Beispielsweise sollte im Mittelpunkt stehen, dass 12 Teelöffel Zucker am Tag unproblematisch sind. Das mag zwar stimmen, aber ihnen ging es nicht um den Konsum von 12 Teelöffeln, sondern um die Relativierung. Zucker soll nicht als Gift, sondern als verträgliches Lebensmittel verkauft werden. Die Folgen solch einer Lobbyarbeit sind verheerend. Denn die Verantwortung wird an den Endverbraucher abgegeben und die Zuckerproduzenten können weiterhin Geld verdienen. Aber was hat nun die Zuckerindustrie mit der Klimaerwärmung zu tun?

Photo by Mae Mu on Unsplash
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Alles und Nichts. Ziel dieser PR-Kampagne für die Zuckerindustrie war es nicht, zu widerlegen, dass Zucker ungesund ist, sondern einen Konsens in der Gesellschaft zu verhindern. Es sollte niemals eine mehrheitliche, gesellschaftliche oder wissenschaftliche Einigung darüber getroffen werden, dass Zucker ungesund ist. Nur so können Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen der Verarbeitung von Zucker in Lebensmitteln zustimmen. Nichts anderes passiert heute in Bezug auf die Klimaerwärmung.

 

Die Wissenschaftler sind sich alle einig darüber, dass der Mensch zu 100% für die derzeitige Klimaerwärmung verantwortlich ist (etwa genauso, wie sie es bei Zucker waren). Und trotzdem wird immer wieder behauptet, dass es in der Wissenschaft keinen Konsens gibt(siehe PR-Kampagne der Zuckerindustrie). Tatsächlich gibt es einige, vereinzelte Wissenschaftler, die den menschengemachten Klimawandel leugnen. Von allen wissenschaftlichen Publikationen zur Klimaerwärmung handelt es sich bei 0,7% der Veröffentlichungen um welche, die diese Theorie ganz ablehnen. 0,3% sind sich nicht sicher was der Grund für die Erderwärmung ist (Quelle). Des Weiteren ist sich die Wissenschaft darüber einig, dass kein seriöser Forscher oder Wissenschaftler, die menschengemachte Erderwärmung leugnet, sondern dass es sich eher um bezahlte Studien handelt. Es geht hier auch wohlgemerkt um weniger als 1% aller wissenschaftlichen Studien, in denen geleugnet wird, dass der Mensch für die Erderwärmung verantwortlich ist. 99% aller Studien belegen, dass unser Lebensstil und unser Umgang mit der Umwelt langfristig zur Katastrophe führen wird. Und es geht hier nicht um eine Meinung, sondern um wissenschaftliche, fundierte Ergebnisse.

 

Dennoch reichen diese 1% aus, um einen gesellschaftlichen Konsens zu verhindern. Teile und herrsche, so lautete die Devise im römischen Reich. Und heute ist es das Schlüsselprinzip gegen die Klimaatkivist*innen. Die vermeintlich berechtigten Zweifel an der Erderwärmung durch 1% der Studien sind erst der Anfang der gesellschaftlichen Teilung. Sind erstmal Zweifel gesät, vermehren sie sich rasend.

Beginn einer Diskussion auf Facebook über die Familie Thunberg
Beginn einer Diskussion auf Facebook über die Familie Thunberg

Dann geht es nicht mehr nur um menschengemachte Klimaerwärmung sondern auch darum, ob Greta überhaupt eine ernstzunehmende Persönlichkeit ist. Es wird behauptet, sie wolle lediglich den Ruhm. Oder es wird gefragt, ob es sich nicht bloß um wirtschaftliches Interesse ihrer Eltern handelt. Plötzlich geht es also nicht mehr darum, ob und inwiefern der Mensch für die Erderwärmung verantwortlich ist, sondern um Greta und ihre Eltern. Und schon ist die Diskussion auf einen anderen Aspekt verlegt, die Menschen verwirrt und der Konsens verhindert. Aber wer profitiert eigentlich davon?

 

Das Ziel der Industrie ist es, eine Einigkeit in der Gesellschaft und in der Politik zu verhindern, um ihre Produkte weiterhin verkaufen zu können. Es sind bloß wirtschaftliche Interessen, die uns daran hindern, die Umwelt zu schützen und den menschengemachten Klimawandel zu beenden. Alle Unternehmen, die Produkte auf Erdölbasis herstellen, die Milch- und Fleischindustrie, die Energiekonzerne, sie alle würden wirtschaftliche Nachteile erleiden. In der Kosmetikindustrie werden Unmengen an Plastik verarbeitet. Die Energiekonzerne verbrennen fossile Rohstoffe um Strom zu generieren. Etwa 58%der Methan-Emissionen und 80% des CO2 Ausstoßes in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft (Quelle). Was würde also passieren, wenn alle Menschen in Deutschland erkennen würden, dass sie selbst durch ihren Konsum für die Erderwärmung verantwortlich sind? Und was wäre eigentlich der Nachteil, wenn alle Umweltschützer werden würden?

 

Die oben aufgeführten Konzerne würden stark darunter leiden. Es gäbe plötzlich mehr Energiekonzerne für erneuerbare Energie. Man würde Plastikverpackungen reduzieren. Es gäbe weniger Massentierhaltung und damit auch weniger Tierleid. Der öffentliche Nahverkehr würde ausgebaut werden, es gäbe mehr Bäume auf der Welt. Der Regenwald würde nicht mehr für Palmölplantagen gerodet werden oder einfach abbrennen. Tiere würden nicht aussterben, Gewässer wären wieder klar und trinkbar. Es gäbe weniger Müll, weniger Verbrennungsanlagen und hochgiftigen Müll, der verbuddelt wird. Die Erde wäre in 100 Jahren noch bewohnbar. Und wenn sich alles als großer Schwindel erweist? Was passiert, wenn es den menschengemachten Klimawandel doch nicht gibt und am Ende alles nur erfunden war?

 

Dann haben wir wohl völlig umsonst für eine bessere Welt gesorgt.

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